PRAXIS & WIRTSCHAFT

KI in der Arztpraxis: Nutzen vor Anschaffung prüfen

KI kann Abläufe unterstützen. So prüfen Sie konkrete Aufgaben, Datenschutz, Kosten und den tatsächlichen Nutzen vor einer Anschaffung.

Patrick SchneiderVeröffentlicht am 10.10.20262 Min. Lesezeit
Ärztin prüft einen digitalen Dokumentationsablauf am Laptop

DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK

  • Mit einer konkreten Aufgabe beginnen.
  • Datenschutz und Verantwortlichkeit vorab klären.
  • Nutzen im Alltag messen statt Werbeversprechen übernehmen.

Warum KI gerade Aufmerksamkeit bekommt

Die KBV hat im PraxisBarometer 2026 Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz als einen Schwerpunkt aufgenommen. Die Befragung wurde im Juli gestartet; die Ankündigung ist noch kein Beleg für einen flächendeckend gemessenen Nutzen. Für Ihre Praxis ist deshalb die konkrete Aufgabe wichtiger als der allgemeine Trend.

Beginnen Sie mit einem Problem, das Sie tatsächlich lösen möchten: wiederkehrende Verwaltungsarbeit, die Vorbereitung allgemein gehaltener Texte oder die Strukturierung interner Abläufe. Klinische Anwendungen und administrative Hilfen stellen unterschiedliche Anforderungen.

Fünf Fragen vor dem Kauf

  1. Welche klar abgegrenzte Aufgabe soll unterstützt werden?
  2. Welche Daten benötigt das System tatsächlich?
  3. Wer prüft Ergebnisse und trägt die Verantwortung?
  4. Passt die Anwendung zu den vorhandenen Systemen?
  5. Wie wird der Nutzen nach der Einführung gemessen?

Gesundheitsdaten gehören nicht ungeprüft in einen frei verfügbaren Chatbot. Lassen Sie Rechtsgrundlage, Datenverarbeitung, Verträge und technische Schutzmaßnahmen fachlich prüfen. Ein ansprechend formulierter Text kann sachlich falsch sein; die Verantwortung wird nicht durch die Software ersetzt.

Kosten und Zeitersparnis ehrlich vergleichen

Berücksichtigen Sie Lizenz, Einrichtung, Schulung, laufende Betreuung und mögliche Schnittstellenkosten. Ziehen Sie von der erwarteten Zeitersparnis die Zeit für Kontrolle und Nachbearbeitung ab. Eine Anwendung, deren Ergebnisse umfangreich korrigiert werden müssen, kann den Aufwand verlagern statt reduzieren.

Ein einfaches Pilotprotokoll hilft: Notieren Sie bisherigen Zeitbedarf, Zeitbedarf mit Unterstützung und typische Fehler. Verwenden Sie für den Einstieg Aufgaben ohne echte Patientendaten, sofern nicht zuvor eine zulässige Verarbeitung geklärt wurde.

Mit einem begrenzten Pilotprojekt starten

Vereinbaren Sie Dauer, Verantwortliche und Abbruchkriterien. Informieren Sie das Team, welche Nutzung erlaubt ist und welche Daten ausgeschlossen bleiben. Entscheiden Sie erst nach der Auswertung über eine größere Einführung. Eine gute Investition passt zum Praxisalltag und lässt genügend finanziellen Spielraum für andere Aufgaben.

Für die übergreifende Planung lesen Sie auch IT und Software in der Arztpraxis.

Ihr nächster Schritt

Schneider Ärzteberatung unterstützt Sie dabei, die wirtschaftlichen Fragen Ihres Vorhabens zu ordnen. Für rechtliche, steuerliche oder technische Detailfragen beziehen Sie die jeweils zuständigen Fachleute ein. Persönliche Beratung anfragen.

Quellen und fachlicher Stand

Stand: 10. Oktober 2026. Der Beitrag bietet allgemeine Orientierung; maßgeblich sind die aktuellen Regeln und Ihre individuelle Situation.

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