Kosten bei einer Praxisübernahme:
Was kommt auf Ärzte zu?
Arztpraxen sind ein wichtiger Pfeiler unseres Gesundheitssystems. Immer wieder kommt es naturgemäß vor, dass niedergelassene Ärzte in Rente gehen oder ihre Praxis aus anderen Gründen aufgeben möchten – dann hat ein Nachfolger die Gelegenheit, die Räumlichkeiten und gegebenenfalls auch die Patienten zu übernehmen. Mit einer Praxisübernahme sind aber natürlich auch teils hohe Kosten verbunden. Dieser Beitrag zeigt, mit welchen Investitionen Ärzte in diesem Zusammenhang rechnen müssen.
Praxis übernehmen Kosten: So viel müssen Ärzte investieren
Wer eine bereits vorhandene Arztpraxis übernehmen und dort selbst Patienten behandeln möchte, muss in Deutschland tief in die Tasche greifen. Laut der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (Apobank) mussten Ärzte im Zeitraum 2022/2023 durchschnittlich 188.200 Euro investieren – und dabei handelt es sich nur um die reinen Übernahmekosten. Dazu kommen in vielen Fällen noch zusätzliche Kosten für Umbau und Modernisierung. Diese lagen im selben Zeitraum bei ungefähr 78.100 Euro. Die vollständigen Kosten bei Praxisübernahme liegen demnach bei rund 180.000 bis 190.000 Euro. Damit fällt die Übernahme einer Praxis aber noch immer preiswerter aus als die Neugründung: Hier mussten Ärzte im Zeitraum 2022/2023 unabhängig vom Fachbereich mit einem Gesamtbetrag von bis zu 206.000 Euro rechnen.
Übernahme einer Hausarztpraxis Kosten sind gestiegen.
Ein Vergleich zu den Vorjahren zeigt, dass das Übernehmen einer Arztpraxis immer teurer wird. So waren es 2014/2015 nur rund 118.000 Euro, die in diesem Zusammenhang fällig wurden. Damals kosteten mit der Übernahme verbundene Umbauten und Modernisierungen ungefähr 14.000 Euro und lagen damit ebenfalls deutlich unter dem, was in den 2020er Jahren eingeplant werden muss. Betrachtet man die Zeit zwischen 2020/2021 und 2022/2023 ist ein Kostenzuwachs von knapp 16.000 Euro zu erkennen. Die Gründe für die steigenden Kosten im Rahmen einer Praxisübernahme sind allgemein erhöhte Preise, die natürlich auch die erforderlichen Praxiseinrichtungen betreffen. So sind medizinisch-technische Geräte sowie Mobiliar in den letzten Jahren deutlich teurer geworden. Das gilt ebenso auch für moderne IT-Lösungen, die in Arztpraxen jeglicher Art mittlerweile unabdingbar sind.
Wie lassen sich die Übernahmekosten reduzieren?
Grundsätzlich fallen Übernahmen von Einzelpraxen teurer aus als Gemeinschaftspraxen. In letzterem Fall wird eine Gemeinschaft gebildet, in der es einen Mitinhaber der Praxis gibt, sodass mehrere Ärzte in denselben Räumlichkeiten tätig sind. Damit verringern sich die Gesamtkosten für den einzelnen Arzt entscheidend. Bei einer Hausarztpraxis beispielsweise werden dann etwa 124.300 Euro fällig – soll es dagegen eine Einzelpraxis sein, muss mit einem Kaufpreis von rund 146.000 Euro gerechnet werden. Dennoch ist zu beobachten, dass sich im Zeitraum 2022/2023 60 Prozent der Existenzgründer im medizinischen Bereich für eine Einzelpraxis entschieden, während nur 40 Prozent eine Gemeinschaft eingingen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) anzuschließen: Hier übernimmt der Arzt vom Vorgänger nicht nur die Räumlichkeiten, sondern auch die Zulassung des ausscheidenden Kollegen.
Die Kosten variieren abhängig vom Fachbereich.
Nicht jede Arztpraxis ist gleich. Hausärzte benötigen oftmals weniger medizinische Geräte und Spezialausstattungen als Fachärzte. Wer etwa in Erwägung zieht, eine orthopädische Praxis zu übernehmen, muss mit Gesamtkosten von rund 500.000 Euro rechnen, wovon etwa 365.000 Euro auf den reinen Kaufpreis entfallen. Der Rest wird für Umbauten, Anpassungen und erforderliche Ausstattungen fällig. Im Vergleich dazu ist die Übernahme einer bestehenden psychologischen oder psychiatrischen Praxis entscheidend preisgünstiger: Nur ungefähr 46.000 Euro betrug der Kaufpreis im Zeitraum 2022/2023; dazu kommen durchschnittlich 17.000 Euro für die Ausstattung.
Der Eintritt in eine BAG lässt die oft Preise steigen.
Für viele Ärzte, die sich mit einer eigenen Praxis im Rahmen einer Übernahme niederlassen möchten, besteht die Möglichkeit des Eintritts in die bereits erwähnte BAG. Allerdings ist hier zu beachten, dass diese Kooperationen oftmals erhöhte Kosten mit sich bringen, was aber auch wieder von der genauen Fachrichtung abhängig ist. Im Falle einer gynäkologischen Praxis können die Gesamtkosten auf bis zu 324.000 Euro steigen; im Bereich Innere Medizin werden ungefähr 290.000 Euro fällig. Ein Eintritt in eine BAG kann aber auch finanzielle Vorteile bei der Praxisübernahme mit sich bringen: Orthopäden etwa können davon profitieren, wenn die erforderlichen Geräte in der Praxis bereits vorhanden sind.
Fazit: Steigende Kosten betreffen auch Praxisübernahmen.
Statistiken zeigen, dass Ärzte für die Übernahme einer Praxis immer tiefer in die Tasche greifen müssen. Dafür sind steigende Allgemeinkosten verantwortlich, die auch dafür sorgen, dass Arztpraxen und vor allem auch die damit verbundenen Geräte und Einrichtungsgegenstände immer teurer werden. Eine Möglichkeit zur Kostenreduzierung ist das Arbeiten in einer Gemeinschaftspraxis. Abhängig ist die Höhe der Investition aber auch immer vom jeweiligen Fachbereich. Hier gilt: Je mehr spezielle Geräte benötigt werden, umso teurer wird es.

